Der Blower-Door-Test: Warum sich die Luftdichtigkeitsmessung im Eigenheim lohnt

Wer neu baut, sieht sich mit allerhand Fragen und Fachbegriffen konfrontiert, die sich nicht von selbst erklären. Der Blower-Door-Test ist einer dieser Begriffe. Bauherren sollten diesen Test kennen und verstehen. Wer im neuen Eigenheim behaglich wohnen und gleichzeitig Energie sparen möchte, braucht eine möglichst luftdichte Außenhaut am Gebäude. Wie es um diese Luftdichtigkeit bestellt ist, ermittelt der Blower-Door-Test. Wir erklären Ihnen deshalb an dieser Stelle, was sich hinter dem Blower-Door-Test verbirgt, wie er durchgeführt wird und welchen Nutzen er Ihnen bietet.

Was bedeutet „Blower-Door-Test“?

Der Blower-Door-Test lässt sich ganz gut mit dem Begriff „Luftdichtigkeitsmessung“ oder auch „Differenzdruck-Messverfahren“ beschreiben. Er gibt also Auskunft über die Luftdichtigkeit eines Gebäudes. Die wenigsten wissen, dass der Name „Blower-Door“ eigentlich auf einen Hersteller zurückzuführen ist, der die Messgeräte für die Luftdichtigkeitsmessung anbietet. Die Bezeichnung hat sich aber in der Branche etabliert und wird heute allgemein eingesetzt, um das Messverfahren zu benennen.

Wie funktioniert die Luftdichtigkeitsmessung?

Um den „Blower-Door-Test“ durchzuführen, sind 5 Schritte nötig, die wir im Folgenden erklären.

Schritt 1: Gebäude abdichten

Um festzustellen, wie luftdicht ein Gebäude ist, müssen zunächst einmal alle Fenster und Türen geschlossen werden. Wenn Sie sich bei Ihrem Neubau für eine Ausführung mit raumluftechnischer Anlage entschieden haben, dann müssen Sie diese für den Blower-Door-Test abstellen und ebenfalls abdichten. Sonst würden die Messergebnisse verfälscht.

Schritt 2: Einsatz der „Blower-Door“

Jetzt kommt die namensgebende „Blower-Door“ zum Einsatz: In eine der Außentüren, meist die Haustüre, spannt der Messdienstleister ein Art Tuch mit kreisrunder Öffnung ein. Die Öffnung ist exakt auf die Maße eines Ventilators abgestimmt, der an dieser Stelle platziert wird.

Schritt 3: Die Luftdichtigkeitsmessung

Erst jetzt findet die eigentliche Messung der Luftdichtigkeit des Gebäudes statt. Das ist ein etwas komplexerer Vorgang, bei dem der Messdienstleister erst die Druckdifferenz bei deaktiviertem Ventilator misst. Anschließend werden bei aktiviertem Ventilator diverse Druckpunkte angefahren und Volumenströme gemessen. Zum Schluss findet erneut eine Messung der natürlichen Druckdifferenz statt. Wegen dieses Vorgehens spricht man beim Blower-Door-Test auch von Differenzdruck-Messung.

Die Messung der Luftdichtigkeit des Gebäudes ist ein komplexer Vorgang, bei dem erst die Druckdifferenz bei deaktiviertem Ventilator gemessen wird. Anschließend werden bei aktiviertem Ventilator diverse Druckpunkte angefahren und Volumenströme gemessen.

Messphase 1

Sobald die Prüfer den Ventilator in Betrieb nehmen, entsteht in der ersten Messphase im Gebäude ein konstanter Unterdruck von etwa 50 Pa. Das ist notwendig, weil der Ventilator nur durch den Unterdruck Luft durch undichte Stellen im Gebäude ansaugen kann.

Messphase 2

In der zweiten Messphase wird der Unterdruck schrittweise aufgebaut – auf bis zu 100 Pa.

Messphase 3

In der dritten und letzten Messphase wird schließlich Überdruck erzeugt und es werden alle Messwerte wie bei der Unterdruckmessung erneut erhoben. Auf diese Weise lassen sich undichte Stellen, auch Leckagen genannt, identifizieren. Das kann auf ganz unterschiedliche Weise passieren. Manche undichte Stellen, wie zum Beispiel undichte Fenster, lassen sich manchmal sogar mit der Hand erspüren. Zusätzlich werden aber technische Geräte eingesetzt. Strömungsmesser, Thermografiekameras oder Nebelgeräte helfen, die undichten Stellen sichtbar zu machen. Sind die Leckagen identifiziert, ist das schon mal ein ganz wichtiger Schritt, damit die Handwerker diese beseitigen können.

Messphase 4

Zum Schluss findet erneut eine Messung der natürlichen Druckdifferenz statt. Wegen dieses Vorgehens spricht man beim Blower-Door-Test auch von Differenzdruck-Messung.

Schritt 4: Die Auswertung der Messwerte

Dies alles dient der Ermittlung relevanter Messwerte, die zum Beispiel von Bedeutung sind, wenn eine Lüftungsanlage im neu gebauten Haus effizient laufen soll. Wichtigster Wert ist dabei der Grenzwert für die Luftwechselrate n50. Die Grenzwerte regeln im deutschen Bauwesen die DIN Normen. Nach heutigem Standard muss ein Neubau eine geplante, lückenlose, dichtende Ebene zwischen Außen- und Innenbereich haben. Dabei spielen Wärmebrücken und Wärmedämmung eine große Rolle.

Schritt 5: Schwachstellen beheben und erneut testen

Idealerweise werden zwei Blower-Door-Tests durchgeführt: Der Blower-Door-Test im Rohbauzustand deckt Leckagen auf, die sich meist unproblematisch beseitigen lassen, weil die dichtende Ebene leicht zugänglich ist. Eine zweite Messung im bezugsfertigen Haus liefert die erforderlichen Werte für die EnEV.

Warum ist ein Blower-Door-Test ein Muss?

Die Luftdichtigkeitsmessung ist tatsächlich Pflicht, wenn Sie neu bauen und der Test im EnEV-Nachweis vorgesehen ist. Oder wenn Sie sich bei Ihrem Neubau für eine Lüftungsanlage entschieden haben, die für die energetische Bilanzierung berücksichtigt wird. Selbst bei manchen Förderprogrammen, wie zum Beispiel KfW, ist der Blower-Door-Test verpflichtend.

Was bringt das Differenzdruck-Messverfahren?

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Messung nicht einfach nur ein paar Werte fürs Formular liefert. Sie gibt vielmehr Auskunft über die Qualität der Bauweise. Wärmebrücken, Außendämmung, Fenster, Türen – nur, wenn alle Gewerke und Materialien optimal zusammenwirken, entsteht ein energieeffizientes Gebäude. Leckagen, die unentdeckt bleiben, sind für Bauherren ein echtes Ärgernis, weil sie zu Energieverlust führen. Sie können sogar Bauschäden verursachen, wenn Feuchtigkeit eindringt. Für die Effizienz einer Lüftungsanlage ist der Blower-Door-Test quasi unverzichtbar. Sobald die Anlage läuft, darf sie keine Frischluft durch Leckagen ziehen, weil das direkte Auswirkungen auf die Wärmerückgewinnung und die Luftqualität hat.

Wer kann einen solchen Test durchführen?

Wenn Sie als Bauherr selbst vom Fach sind und über die entsprechende Ausstattung verfügen, können Sie den Test theoretisch selbst durchführen. Wir empfehlen, die Luftdichtigkeit Ihres Hauses von einem zertifizierten Profi messen zu lassen. Die Messdienstleister von Rötzer sind äußerst erfahrene Experten, die schon Hunderte Blower-Door-Tests durchgeführt haben. Hier können Sie sich auf den Einsatz von kalibrierten Geräten und exakte Auswertung der Ergebnisse verlassen. Zertifizierte Anbieter finden Sie auch auf der Seite des Fachverbandes für Luftdichtheit im Bauwesen.

Was kostet der Blower-Door-Test?

Die Kosten für einen Blower-Door-Test sind als Bestandteil des Neubau-Budgets absolut überschaubar. Sie liegen zwischen 350 und 500 Euro. Im Vergleich zum Nutzen des Tests ist das eine Investition, auf die Bauherren nicht verzichten sollten. Prüfen Sie vermeintliche Sparangebote sehr genau. Vor allem, wenn Fördergelder im Spiel sind, ist die Auswahl des Messdienstleisters von größter Bedeutung. Ein zertifizierter Anbieter wird im Rahmen der genannten Preisspanne den Test durchführen und so dokumentieren, dass die Ergebnisse im Rahmen eines Förderprogramms auch anerkannt werden.