Hausbau mit oder ohne Keller

Bevor der Bau des Traumhauses beginnen kann, müssen Bauherren viele Entscheidungen treffen. Neben dem Stil der neuen Behausung und der Entscheidung für ein Flach- oder doch lieber ein klassisches Satteldach ist es vor allem der Keller, der als zentrale Entscheidung ansteht. Inzwischen entscheidet sich in Deutschland fast jeder vierte Bauherr – meist aus Kostengründen – gegen den Keller. Doch ob das langfristig die richtige Entscheidung ist, darüber sind sich Experten und Häuslebauer uneinig. Fest steht: Wer sich erst einmal dagegen entschieden hat, kann diesen Schritt nicht mehr rückgängig machen. Doch für beide Positionen lassen sich viele Argumente finden.

Teuer, aufwändig und nicht mehr zeitgemäß: Bauen ohne Keller

Für viele Menschen gehört der Keller immer noch zum Haus, wie der Motor zum Auto. Doch in den letzten Jahrzehnten entscheiden sich immer mehr Eigenheimbesitzer gegen den Bau einer unterkellerten Immobilie.

Die Kosten

Bauherren müssen im Schnitt mit knapp 300 Euro pro Quadratmeter mehr rechnen, wenn sie sich für ein Untergeschoss entscheiden. Dazu kommen zusätzlich die Kosten für den Aushub des Bodens, die je nach Untergrund stark variieren können. Wer baut, der muss grundsätzlich vor Baubeginn prüfen lassen, ob das neue Traumhaus auch auf einem sicheren Grund steht. Gestein oder übermäßig sandiger Boden verteuern einen möglichen Keller genauso wie ein sehr niedriger Grundwasserspiegel.

Der Stauraum

Für viele Kellerfans ist das Argument Stauraum das zentrale Entscheidungskriterium. Doch diese Überlegung wird durch neue Technik fast schon unwichtig. Wer sein Haus mit moderner Wärmetechnik ausstattet, der bringt die kleine, moderne Heizungsanlage auch ganz leicht in einem Abstellraum unter. Darüber hinaus kann der Stauraum, der sonst im Keller zu finden ist, auch auf den Dachboden verlagert werden. Dieser ist oftmals klimatisch wesentlich besser geeignet, um die Habseligkeiten sicher vor Nässe und Kälte zu schützen. Wer noch einen Platz für seine nur im Sommer gebrauchten Gartengeräte sucht, für den ist vielleicht ein separates Gartenhaus die ideale Lösung.

Die Barrierefreiheit

Ein durchaus interessantes Argument ist das Thema Barrierefreiheit, das gerade durch die immer älter werdende Gesellschaft an Relevanz gewinnt. So kann es auch eine ganz bewusste Entscheidung sein auf den Keller zu verzichten. Ideal eignet sich dieses Konzept natürlich für Bungalows oder kleinere, einstöckige Objekte. Wer für die eigene Zukunft baut und auch im hohen Alter die eigenen vier Wände nicht verlassen möchte, für den kann die Entscheidung gegen einen Keller sinnvoll sein.

Die KfW Effizienz

Die Entscheidung für eine Bodenplatte kann aber auch aus Gründen der Energieeffizienz fallen. Wer sein neues Eigenheim mit Hilfe eines KfW Förderkredits baut, der muss bei der energetischen Konzeption des neuen Hauses einiges beachten. Für manche Bauherren ist es daher sogar besser, die Pläne für den Keller sofort zu streichen. Denn aufwändige Dämmarbeiten können mit einer Bodenplatte vermieden werden, ohne auf energetische Vorteile zu verzichten. So erreichen Bauherren im Vergleich zu einer Unterkellerung bessere Ergebnisse mit weniger Geldeinsatz.

Wertstabil, zukunftsorientiert und mit jeder Menge Platz: Das Haus mit Keller

Ein Haus mit Keller verspricht viel Platz und bietet Bauherren auch später noch diverse Optionen. Egal ob als Fitnessraum, Büro, als Platz für eine Sauna oder den Hobbyraum, die Mehrkosten für einen Keller können gut investiert sein.

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Die Wertstabilität

Wer sich gegen ein Untergeschoss entscheidet, der bereut diese Entscheidung eventuell später, wenn die Immobilie veräußert werden soll. Denn ein Haus mit Keller ist bei potentiellen Hauskäufern immer noch begehrter als eine kellerfreie Variante, das bestätigen Makler und Architekten unisono. Wer sich heute für einen Keller entscheidet, der baut sein Haus auf zukunftssichere Säulen, denn mit einem Keller erhalten Bauherren sehr viel mehr Nutzungsmöglichkeiten. Dies macht sich bei einem Wiederverkauf des Hauses durchaus im Geldbeutel bemerkbar.

Die Flächennutzung

Auch wenn auf den ersten Blick der Verzicht auf den Keller für viele Häuslebauer attraktiv scheint, ist ein Untergeschoss doch gerade in teuren Ballungsräumen bares Geld wert. Dort, wo der Quadratmeterpreis für das Grundstück besonders hoch oder aber größere Grundstücke rar sind, kann sich die Planung eines Kellers lohnen. So erhalten Eigentümer nicht nur mehr Wohnfläche, sondern können gut geplant mit einem voll ausgebauten Keller auch mehr Wohnraum auf einer kleineren Grundfläche schaffen. Das spart Geld beim Grundstückskauf und ermöglicht mehr Freiraum bei der Gestaltung eines kleineren Grundstücks.

Die Kosten

Ein Keller ist teuer – aber stimmt das wirklich? Wer nicht nur mit dem Rotstift Posten streicht, sondern Kosten und Nutzen gegeneinander aufwiegt, der kommt schnell zu dem Schluss, dass sich die Investition in einen Keller rechnet. Denn wer sich einen Keller leistet, erhält dafür fast doppelt so viel an Nutzfläche.

Der Untergrund

Oft lesen Bauherren von hohen Kosten, wenn sich der Untergrund des gerade erworben Grundstückes im Baugutachten als schwieriger Boden herausstellt. Die Tendenz zur vermeintlich günstigeren Bodenplatte ist aber nicht immer die beste Wahl, glaubt man dem Verband Privater Bauherren. Denn viele Gemeinden vergeben inzwischen Grundstücke, bei denen auch mit einer Bodenplatte die oberste Bodenschicht getauscht werden muss. „Hier kann es durchaus ratsam sein sich beide Varianten einmal durchkalkulieren zu lassen. Wenn ein Bodentausch vorgenommen werden muss, kann es sich lohnen auch gleich tiefer zu graben und einen Keller zu bauen,“ rät Eva Reinhold-Postina.

Fazit: Ob man sich für den Bau eines Kellers entscheidet ist in erster Linie eine persönliche Geschmackssache und natürlich auch eine Frage des Budgets. Wer sich alle Optionen offen lassen will, der sollte beim diesem Thema nicht nur den Rotstift ansetzen, sondern langfristig kalkulieren, ob sich die Mehrausgaben in den nächsten Jahrzehnten nicht doch rechnen.

Rötzer Experten-Tipp: Entscheiden Sie gemeinsam mit Architekten und Baupartnern ob sich die Investition in einen Keller nicht doch lohnen kann. Auch wenn man nicht alle Eventualitäten im Leben planen kann, ist ein bisschen mehr Platz in den eigenen vier Wänden wohl niemals nachteilig.

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