Mauerziegel: Welche Arten gibt es und wo liegen die Unterschiede?

Ziegel ist seit Jahrunderten eines der beliebtesten Materialien für den Hausbau. Immerhin vereint er viele positive Eigenschaften, wie eine gute Wärmedämmung, ein angenehmes Raumklima, Langlebigkeit sowie einen hohen Schall- und Brandschutz. Doch wer von den Vorteilen des beliebten Baumaterials profitieren möchte, muss auf den richtigen Mauerziegel setzen, denn Ziegel ist nicht gleich Ziegel! Was ursprünglich mit dem klassischen Lehmziegel begann, entwickelte sich über die Jahre immer weiter. So brachte die industrielle Entwicklung zahlreiche neue Ziegelstein-Arten auf den Markt. Vom Vollziegel, über den Klinker bis hin zum Lochziegel – Mauerziegel gibt es heute in den unterschiedlichsten Ausführungen. Doch auf welche Art von Ziegeln sollten Sie beim Hausbau setzen und wo genau liegen die Unterschiede?

Ziegel – optimal für das Mauerwerk

Der Begriff Mauerziegel ist eine Sammelbezeichnung für alle Ziegelsteinarten, die sich hinsichtlich ihres Formats und der Güteeigenschaften für die Herstellung von tragenden Wänden eignen. Dank der hervorragenden bauphysikalischen Eigenschaften ist die Ziegelbauweise optimal für den Hausbau geeignet. Grundsätzlich regelt die DIN 105 die Anforderungen an Mauerziegel. Hier sind folgende Eigenschaften festgelegt:

  • Art und Gestalt
  • Ziegelmaße 
  • Druckfestigkeit
  • Rohdichte
  • Kennzeichnung 
  • Frostverhalten 

Allerdings existieren auch Ziegelsteinarten, die punktuell von den Normvorgaben abweichen. Diese brauchen dann allerdings eine bauaufsichtliche Prüfung und Zulassung. In der Regel handelt es sich hierbei um sogenannte Wärmedämmziegel, die hinsichtlich ihrer Wärmedämmeigenschaften optimiert wurden. Auf europäischer Ebene regelt die Ziegelnorm EN 771-1 die Hygiene, die Energieeinsparung, die mechanische Festigkeit sowie den Schall- und Wärmeschutz von Ziegeln.

Mauerziegel-Arten im Überblick

Mauerziegel unterscheiden sich hinsichtlich der Herstellung, den bauphysikalischen Eigenschaften sowie dem späteren empfohlenen Verwendungszweck. Folgende Mauerziegel-Arten werden häufig für die Herstellung von Wänden genutzt: 

  • Vollziegel
  • Klinker
  • Lochziegel
  • Planziegel
  • Blockziegel

Vollziegel

Vollziegel, häufig auch als Reichsziegel bezeichnet, bestehen zu mindestens 85 Prozent aus dem Ziegelmaterial. Er wird in der Regel aus Ton gefertigt und weist sehr gute Schallschutzeigenschaften, aber eine geringe Wärmedämmung auf. Die ursprünglich massiven Vollziegel werden im Hausbau meist nur noch als Vormauerziegel verwendet. Diese sind im Gegensatz zum Hintermauerziegel frostbeständig und eignen sich daher gut für das Sichtmauerwerk. 

Klinker

Eine besondere Ausführung von Vollziegeln wird auch als Klinker bezeichnet. Der Unterschied liegt vor allem in der Herstellung.  Das Baumaterial wird bei etwa 1200 °C gebrannt, sodass sich die Poren komplett schließen können. Dieser Vorgang wird in Fachkreisen auch als Sinterung bezeichnet. Dadurch wird der Ziegel druckfester, stabiler, glatter und ressistenter gegen Witterungseinflüsse. Klinker eignen sich dank den Eigenschaften, ähnlich wie der Vollziegel, beispielsweise hervorragend für die Fassadenschicht. 

Lochziegel

Die erste Wahl für den Hausbau sind heutzutage sogenannte Lochziegel. Durch den Lochanteil verringert sich die Wärmeleitfähigkeit, was zu einer verbesserten Wärmedämmung führt. Hierbei unterscheidet man nochmals zwischen Hochlochziegel und Langlochziegel. Bei den Ziegeln befinden sich die Löcher entweder senkrecht (Hochlochziegel) oder waagerecht (Langlochziegel) zur Auflagefläche. Die Tragfähigkeit der senkrechten Lochung ist dabei wesentlich höher als beim Langlochziegel. Bei neueren Wärmedämmziegeln ist der Hohlraum der Lochziegel nochmals mit einem Dämmstoff gefüllt. Damit eignet sich das Ziegelmaterial auch für Passivhäuser oder energieeffiziente Ziegelhäuser. 

Rötzer Ziegelwerk
Lochziegel – meist die erste Wahl für den Hausbau.

Planziegel

Planziegel sind meist als Lochziegel ausgeführt. Das Besondere ist, dass sie nach dem Brennvorgang glatt geschliffen werden. Dadurch können die Planziegel im Gegensatz zum Blockziegel in einer 1-3 mm dünnen Mörtelschicht versetzt werden. Dank den Planziegeln können Sie also Zeit sparen. Obendrein ist weniger Mörtelauftrag notwendig. Dies hat wiederum den Vorteil, dass weniger Feuchtigkeit in das Mauerwerk gelangt. Zudem entstehen keine Wärmedämmverluste durch die Mörtelfuge. 

Blockziegel

Im Gegensatz zum Planziegel werden Blockziegel nach dem Brennvorgang nicht geschliffen, was wiederum bedeutet, er kann gewisse Unebenheiten aufweisen. Um diese Unebenheiten auszugleichen, bedarf es ein dickeres Mörtelbett von ca. 10 mm. Das hat aber den Nachteil, dass mehr Feuchtigkeit in das Mauerwerk eingetragen werden kann. Und auch die Wärmedämmeigenschaften des Blockziegels sind nicht optimal. Ein spezieller Wärmedämmmörtel kann hier Abhilfe schaffen. Aufgrund des fehlenden Abschleifens sind Blockziegel meist günstiger als Planziegel. In der Regel werden sie als Hochlochziegel ausgeführt. 

Übrigens: Irrtümlicherweise werden häufig Beton- oder Kalksandsteine mit Ziegel in Verbindung gebracht. Bis auf die Form und die Festigkeit haben sie allerding wenig gemeinsam. 

Sind Sie auch Fan von dem Baustoff Ziegel? Dann holen Sie sich hier DIY-Ideen aus alten Ziegelsteinen für Ihren Garten.