Rötzer-Praxistipp: Welche Heizung passt zu meinem Neubau?

Wer sich mit der Planung seines Eigenheims befasst, muss sich auch für eine Art der Heizung entscheiden. Inzwischen gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten, die eigenen vier Wände kuschelig warm und das Wasser immer gut temperiert zu wissen. Welches Heizungssystem am Ende das Richtige ist, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Hierzu zählen beispielweise die Anschaffungs- und laufenden Kosten, der Platzbedarf, die örtlichen Voraussetzungen, die Energieeffizienz, die Umweltbilanz oder die Förderungsfähigkeit. Mit der 2009 eingeführten Energiesparverordnung (EnEV) müssen alle Neubauten ab 2021 den Niedrigstenergiegebäude-Standard erfüllen. Wer heute also bereits ein Haus für die Zukunft bauen möchte, der sollte sich auch daran orientieren.

Wir geben im Folgenden einen Überblick über die möglichen Heizungssysteme und zeigen Vor- und Nachteile auf.

Konventionelle Heizungstypen

Systeme mit fossilen Brennstoffen stellen konventionelle Heizungen dar. Dazu gehören unter anderem die weit verbreitete Gas- sowie die Ölheizung.

Gasheizung

Die Gasheizung ist die am häufigsten verwendete Heizungsart in Deutschland. Sie ist meist an ein zentrales Gasnetz angeschlossen und dient entweder als Zentralheizung oder als Heizung in einzelnen Räumen. Sie ist je nach Modell relativ platzsparend zu verbauen und kann neben der Raumwärme auch die Warmwasseraufbereitung übernehmen. Spezielle Modelle, die auch die Abwärme der Verbrennungsgase nutzen, ermöglichen eine Normnutzung von 100 Prozent. Somit ist sie höchst energieeffizient.

Allerdings benötigen Gasheizungen eine regelmäßige Inspektion vom Fachmann, auch wenn ihre Installation relativ günstig ist. Darüber hinaus ist Gas – ähnlich wie Öl – ein endlicher fossiler Brennstoff, der nicht ausreichend in Deutschland vorhanden ist. Daher wird dessen preisliche Entwicklung in den nächsten Jahren sicherlich stetig steigen. Wer nicht die Möglichkeit hat, seine Gasheizung an das Netz eines Energieversorgers anzuschließen, benötigt wie bei Öl große Tanks zur Lagerung.

Ölheizung

Das Heizen mit Öl ist ebenfalls eine weit verbreitete Heizungsart, gerät aber inzwischen bei Neubauten eher in den Hintergrund. Ölheizungen sind meist als Zentralheizung verbaut und versorgen das Haus mit Wärme und Wasser. Im Gegensatz zu Gas müssen Eigenheimbesitzer bei einer Ölheizung den Brennstoff immer im Haus lagern. Dies hat einen großen Platzbedarf zur Folge. Dennoch ist die Energieausbeute mit einer modernen Ölheizung sehr hoch, die Anschaffungskosten relativ gering und das System bewährt.

Als endlicher fossiler Brennstoff, der aufgrund der steigenden Nachfrage auf dem Weltmarkt immer teurer wird, ist die klassische Ölheizung wahrscheinlich ein Auslaufmodell. Verbaut wird sie meist nur noch dort, wo eine Versorgung mit Gas oder Fernwärme nicht möglich ist und sich die hohen Anschaffungskosten für eine Pelletheizung nicht rechnen. Klassische Ölheizungen können mit Solar- oder Photovoltaikanlagen gekoppelt werden.

Erneuerbare Energien 

Im Zuge der Umweltbilanz entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, ihr Haus mit Hilfe von erneuerbaren oder regenerativen Energieträgern zu wärmen.

Pelletheizung

Auch bei der Pelletheizung wird Energie durch die Verbrennung eines Energieträgers – in diesem Fall Holz – freigesetzt. Allerdings ist dieser Energieträger nicht endlich wie fossile Brennstoffe, sondern wächst nach und ist damit langfristig verfügbar. Bei der beliebten Holzpelletheizung werden die Holzabfälle der holzverarbeitenden Industrie zu so genannten Pellets gepresst, die später dann in der Heizung verbrannt werden. Die Pelletheizung können Bauherren entweder als Zentralheizung mit Warmwasseraufbereitung oder als dezentrale Heizung in einzelnen Räumen nutzen. Mit einem geringen CO2 Ausstoß (der genauso groß ist, als wenn das Holz verrotten würde) arbeitet die Holzpelletheizung sehr klimafreundlich. Vorausgesetzt die Pellets werden nicht über lange Wege transportiert.

Der hohe Anschaffungspreis und die Wartungskosten sowie der enorme Raumbedarf zur Lagerung der Holzpellets sind jedoch Aspekte, die einige Häuslebauer vom Kauf einer Pelletheizung abhalten. Darüber hinaus ist nicht absehbar, wie sich der aktuell recht günstige Preis der Holzpellets zukünftig entwickeln wird. Denn auch wenn Holz ein nachwachsender Rohstoff ist, unterliegt er dennoch den Marktpreisen, die mit stetiger Nachfrage durchaus in Zukunft ansteigen können.

Solaranlage

Unter Solarthermie versteht man die Umwandlung von Sonnenenergie in Wärme. In Deutschland dient Solarenergie meist zur Aufbereitung von Warmwasser, denn die mitteleuropäischen Sonnenstunden decken ohne weiteres 50 bis 65 Prozent des Jahresbedarfs an Warmwasser ab. Grundsätzlich ist es ebenfalls möglich, mit Solaranlagen zu Heizen, allerdings ist dafür eine wesentlich größere Fläche an Kollektoren notwendig als bei der Aufheizung des Brauchwassers.

Die Wirkungsweise von Solaranlagen ist recht einfach: Die Sonne erwärmt eine Trägerflüssigkeit in den Sonnenkollektoren, die dann über Leitungen ins Haus befördert wird und dort das Brauchwasser oder eben auch das Heizungswasser aufheizt. Um Phasen ohne Sonnenlicht zu überbrücken bietet sich ein Warmwasserspeicher (der sogenannte Pufferspeicher) an, der das Wasser auch ohne Solarthermie mehrere Stunden warm hält. Neben den hohen Anschaffungskosten, die allerdings teilweise noch gefördert werden, benötigt eine Solaranlage nur wenig Wartung und verursacht bei richtiger Pflege kaum Folgekosten.

Solaranlagen können – genauso wie Photovoltaikanlagen (Umwandlung von Sonnenenergie in Strom) – auch als Ergänzung bzw. Unterstützung  einer anderen Heizungstechnik dienen.

Dezentrale Wärmesysteme

Neben den vorgestellten lokalen Heizungsanlagen im Haus gibt es jedoch noch zwei weitere Heizungsvarianten, die man auch als dezentrale Systeme bezeichnen kann und die je nach Standort von bestimmter Infrastruktur abhängig sind.

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Wärmepumpe

Wärmepumpen sind Systeme, die dem Wasser, der Erde oder der Luft gespeicherte Energie entziehen und sie über ein Leitmedium wieder in die Umgebung abgeben können. Je nach Pumpenart funktioniert das auf unterschiedliche Weise, zugrunde liegt aber immer ein Prinzip: Kompression erhöht die Energieausbeute, die so der Erwärmung von Wasser dient.

Eigentümer sollten vorab genau prüfen, ob sich eine Wärmepumpe für das eigene Zuhause lohnt. Dabei sollten Bauherren gut gedämmter Gebäude genau auf die angegebene Jahresarbeitszahl achten. Diese Zahl berücksichtigt alle Betriebszustände der Anlage über das komplette Heizjahr hinweg – inklusive aller Temperaturschwankungen. Sie sollte nicht unter 4,0 liegen. In der Praxis erreicht die Jahresarbeitszahl aber meist nicht einmal 3,0 – besonders, wenn  Außenluft die Wärmequelle ist. Prinzipiell gilt bei dem Wert: je höher, desto besser! Denn er gibt an, welches Vielfache die Wärmepumpe mindestens mit der eingesetzten Energie liefert. So lässt sich schnell feststellen, ob eine Wärmepumpe Energiekosten sparen würde. Die Jahresarbeitszahlen liegen bei Wärmepumpen am höchsten, die Grundwasser oder Erdwärme nutzen, dafür sind hier auch die Investitionskosten deutlich höher. In welchem Umfang der Einbau effizienter Wärmepumpen für die kombinierte Warmwasserbereitung und Beheizung bestehender Wohngebäude vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert wird, ist auf dessen Website einzusehen.

Wie viel Geld dieses Heizungssystem letztendlich wirklich spart, hängt ganz von dem gewählten Modell sowie den Energiepreisen ab. Im Idealfall können es mit einer Erdwärmepumpenanlage aber bis zu 50 Prozent sein. Die Investitionskosten amortisieren sich in der Regel nach etwa zehn Jahren.

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Fernwärme

Fernwärme versorgt Gebäude mit thermischer Energie (Heizwärme und Warmwasser), die nicht direkt im Haus entsteht. Dazu benötigt der Energieversorger ein existierendes Fernwärmenetz, das Kraftwerke oder  Sammelstellen speisen. Mit Hilfe von Rohrleitungen wird warmes Wasser vom Erzeuger direkt in die Häuser geleitet bzw. über Speicher solange vorgehalten, bis es verbraucht wird. Aufgrund des Prinzips der Kraft-Wärme-Kopplung werden heutzutage 84 Prozent der Fernwärme als Nebenprodukt der Stromgewinnung erzeugt, was zu einer positiven Energiebilanz der Fernwärme führt.

Der große Nachteil der Fernwärme ist allerdings, dass sie nur in Ballungsräumen zur Verfügung steht. Ebenfalls hat man keinen Einfluss darauf, in welchem Kraftwerk die Fernwärme für das eigene Zuhause entsteht. Ist es ein Kraftwerk, das mit Biomasse funktioniert, ist die Umweltbilanz sicherlich wesentlich besser als wenn die Wärme aufgrund von Kohleverbrennung entsteht.

Rötzer-Experten-Tipp: Wer bei der Wahl der eigenen Heizung noch unsicher ist, sollte neben den Investitionskosten auch Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz bedenken. Diese Themen können bei der Werterhaltung des Gebäudes sowie bei möglichen Verkaufsoptionen eine große Rolle spielen. Nichtsdestotrotz gilt es, genau zu prüfen, ob eine alternative Heizmethode sich für den eigenen Haushalt wirklich rentiert. Wir bei Rötzer stehen Ihnen bei der Entscheidungsfindung gerne beratend zur Seite.